Neue Rubrik!

Hier werden Berichte aus der Presse zum lesen veröffentlicht.

Ergänzungen folgen laufend.

Viel Spass! 

 

Auch anderswo wird die fünfte Jahreszeit begangen...

Folgende Trouvaille stand am 7. November 2015 im 'Tages Anzeiger':

Autor: Thomas Wyss.

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des 'Tagi', Tamedia AG in Zürich.

 

Gebrauchsanleitung für Zürich, von Thomas Wyss 

 

Unsere Fasnacht ist die Härte(ste) 

 

Wollten die Deutschen vor dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich die Spitze des Matterhorns wegbomben, um so den 

Schweizer Tourismus zu schädigen?  

Wird die am 25. November 2011 für 348 000 Franken versteigerte «Rayon I» jemals als teuerste Briefmarke der Schweiz abgelöst werden?

Wurde der New Yorker Funk-Musiker Nile Rodgers wahrhaftig von einem Mechaniker im aargauischen Frick zu seinem Discohit «Le Freak» inspiriert?

War Philipp Werner Sauber, der 1975 auf einem Kölner Parkplatz erschossene Bruder des Rennstallbesitzers Peter Sauber,

wirklich kein Mitglied der RAF?

Ist es wahr, dass katholische Kirchenvertreter 1825 das Fondue verboten, weil es angeblich nicht dem göttlichen Willen entsprach, verschiedene Käsesorten zu mischen, da Käse «in sich perfekt und deshalb philosophisch betrachtet unteilbar 

sei»?

Wir wissen es nicht, werden es vielleicht nie erfahren, niemals herausfinden. Und das ist bloss ein Bruchteil der Unklarheiten,

die sich wie unheilvoller Efeu um Helvetien ranken. 

Handkehrum existiert aber auch ganz schön viel Gewissheit – zumindest solche, die vom einig Volk der Deutschschweiz 

abgesegnet wurde. Unsere Schoggi? World’s finest! Die beiden Grossbanken? Super eigenfinanziert, da kann nichts mehr schiefgehen! Das Bundesgericht? E gueti Sach! Röstigraben! Nexischtäpa! Das öffentlichrechtliche Fernsehen?

Hörmer uufmit dem Seich! Blatter? Silvio oder Sepp? Der Fif. . . En Halungg! Die Zürcher Fasnacht? Zürich hät kei Fasnacht! 

 

So, genug ist genug, an dieser Stelle erheben wir Einsprache und sagen: Ihr Narren habt doch keine Ahnung! Zürich hat die härteste Fasnacht der Schweiz! Und das im doppelten Wortsinn! 

Anders als in den Hochburgen Basel und Luzern pilgern nämlich keine Touristen aus halb Europa in unsere Stadt, um den

Spuk hautnah mitzuverfolgen. 

Auch die SRF-Kameras lassen uns links liegen, derweil die lokalen Printjournis mit verblüffend kreativen Ausreden versuchen, sich vor dem Treiben zu drücken (früher war die Fasnachtsreportage noch die «Strafaufgabe» für Praktikanten,

doch bei der heutigen Personalknappheit werden halt auch sie «relevanter» eingesetzt). 

 

Dank diesem kollektiven Desinteresse – damit zur zweiten Härte – geniessen Züri-Fasnächtler «Freiräume», die andernorts aus Furcht vor Imagebeulen schon vor Dekaden ausgerottet wurden. Mit der Folge, dass man hier noch richtig wüste Sachen (Insider formulieren es wertneutraler als «die alte Schule») miterleben kann. Beispielsweise Guggenmusiker-Novizen mit

Oberlippenflaum, die schon vor neun Uhr morgens, nach ihrem dritten Cuba libre, ein erstes Mal den Magen umstülpen. Vom Leben fehlparkierte Kerle mit «Schnurregriech» (ist übrigens auch alte Schule, der Begriff ) und aufgesetzter Clownnase, die sich unablässig an den Hintern des weiblichen Servierpersonals vergreifen. Oder Menschen, die sonst mit

Scheitel und Schlips am Bankschalter sitzen, nun jedoch seltsam kostümiert so was wie Graffiti an die Hauswände urinieren. 

 

Haben wir Ihr Interesse geweckt? 

Gut! Im Gegensatz zu Basel und Luzern fängt die fünfte Jahreszeit hier nämlich schon nächsten Mittwoch an, pünktlich 

(und mottogetreu mit «viel Lärm umsonst!») um 11.11 Uhr am Hirschenplatz.